Am 29. September 2026 wurde auf dem Fußweg vor dem Betriebsgelände der Porsche Werkzeugbau GmbH ein Stolperstein für den Juden Georg Krain verlegt, der 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde. Ulrike Kahl, die sich ausführlich mit der Familiengeschichte der Krains beschäftigt hat, trug den Anwesenden einen kurzen Abriss seines Lebens vor. 1886 in Posen geboren, führte ihn sein Weg über Berlin, die USA und Schandau in den 1920er-Jahren nach Schwarzenberg, wo er in der ESEM eine Anstellung als Ingenieur gefunden hatte. Mit seiner Familie bewohnte er das Haus Nr. 30 in der Straße der Einheit, nur wenige Meter von seiner Arbeitsstelle entfernt.
Kurz vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten trat Georg Krains ältester, noch in Schandau geborener Sohn Gerhard zu Ostern 1932 gemeinsam mit 41 weiteren Schülerinnen und Schülern in die Sexta des Reformgymnasiums im Entstehen – des heutigen Bertolt-Brecht-Gymnasiums – ein. Zu seinen Mitschülern gehörten unter anderem eine Tochter des Schwarzenberger Fabrikanten Friedrich Emil Krauß sowie Söhne des Studienrats Hermann Hallbauer und des Beierfelder Fabrikbesitzers Erich Nier. Zwei Jahre später begann auch sein jüngerer Bruder Harry, ein gebürtiger Schwarzenberger, seine Laufbahn an der Bildungseinrichtung, der inzwischen eine Oberrealschule im Aufbau angegliedert war.
Noch im Bericht über das Schuljahr 1937/38 an der nunmehrigen Städtischen Oberschule für Jungen, den Oberstudiendirektor Dr. Walter Fröbe erstmals gedruckt erscheinen ließ, wurden die Krain-Brüder als Schüler der Obersekunda b bzw. der der Untertertia geführt. Am 27. April 1938 begannen beide ihr sechstes bzw. viertes Schuljahr an der Einrichtung. – Es sollte ihr letztes werden. Zwei Tage nach der Reichspogromnacht am 9. November 1938 notierte Fröbe in seinem Schultagebuch:

„Ab 11. November habe ich die Schüler Gerhard u. Harry Krain vom Unterricht beurlaubt (Min. V. vom 21. Mai 38 – B: 8aJ-), bis der Vater durch Vorlage der entsprechenden Urkunden jeden Zweifel daran beseitigt hat, daß die Schüler nur Mischblütige (25 %) sind.“
Obwohl Georg Krain sich längst von der „mosaischen Religion“ losgesagt hatte, galt er als „Volljude“ und konnte seine Söhne nicht vor dem Ausschluss aus der Schule bewahren. Gerhard und Harry Krain verdingten sich zunächst als Praktikanten – vermutlich unter der Anleitung ihres Vaters. Der jüngere der beiden Brüder erhielt 1942 eine Anstellung als technischer Zeichner in seiner Heimatstadt, wurde 1944 zur Zwangsarbeit in Frankreich verpflichtet und geriet im selben Jahr in amerikanische Kriegsgefangenschaft. 1946 nach Deutschland zurückgekehrt, ließ er sich zunächst in Starnberg nieder und siedelte später nach England über, wo er 1956 die britische Staatsbürgerschaft erhielt. Danach verliert sich seine Spur. Gerhard Krain wanderte 1950 mit seiner Familie nach Australien aus und starb dort 2007 im Alter von 85 Jahren.
