„Agatha Christie würde es ganz cool finden“ – Wie eine Achtzehnjährige ein Stück auf die Bühne bringt

Helene Schieck

Ein Theaterstück, neun Darsteller, unzählige Proben – und eine Schülerin bei der die Fäden zusammenlaufen. Helene Schieck hat sich für ihre Besondere Lernleistung ein Projekt vorgenommen, das es in sich hat. Mit der Premiere von Agatha Christies „Die Mausefalle“ am 2. Oktober 2026 und einer erneuten Aufführung vier Tage später bringt die Achtzehnjährige aus Lauter im Festsaal unserer Schule ihre erste eigene Inszenierung auf die Bühne.

Begeisterung für das Theater schon in der Grundschule

Es ist kein Zufall, dass gerade Helene eine solche Mammutaufgabe in Angriff nimmt. Schon in der Grundschule entdeckte sie ihre Liebe für das Theater und spielte in verschiedenen Stücken kleinere Rollen. Während ihres Betriebspraktikums am Theater Zwickau-Plauen tauchte sie an der Seite von Theresa Weidhas tiefer in die darstellende Kunst ein. Zwei Wochen lang arbeitete sie als rechte Hand der Theaterpädagogin, besuchte Proben und Aufführungen, half im Kostümfundus und stellte selbst Requisiten her.

Seitdem fährt sie einmal pro Woche nach Zwickau und arbeitet in einer Theatertrainingsgruppe an der Entwicklung, Inszenierung und Aufführung von Stücken mit, darunter „Sturm“, in dem sie in der Rolle der alles überblickenden Wegweiserin selbst auf der Bühne stand.

Ein Theaterstück als Besondere Lernleistung

Als wegweisend lässt sich auch ihre Arbeit an Agatha Christies „Die Mausefalle“ verstehen. Ausgangspunkt für die Inszenierung war eine für alle Schülerinnen und Schüler an sächsischen Gymnasien verbindliche Komplexe Leistung, für deren Betreuung sich Deutschlehrer Tobias Möckel bereiterklärte. Weil sich die Arbeit schnell als viel zu umfangreich herausstellte, wurde daraus eine Besondere Lernleistung mit deutlich höherem Anspruch und der Möglichkeit, mit der Verteidigung eine mündliche Abiturprüfung zu ersetzen. Als Zweitgutachterin konnte Helene ihre ehemalige Klassenleiterin Cornelia Reißmann gewinnen, die sie gemeinsam mit Theresa Weidhas bei ihrem Projekt begleitet.

„Ich habe noch nie so viele Entscheidungen getroffen wie in den letzten Wochen.“

Für Helene stand zunächst die Arbeit mit dem 90-seitigen Text an, den sie für die Aufführung anpasste. Bei der Besetzung der Rollen konnte sie auf die Unterstützung ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler bauen. Weitere Überlegungen stellte sie zu Kostümen, Requisiten, Probenterminen und der Inszenierung selbst an.

Besonders anspruchsvoll war die große Zahl der Regieanweisungen. Nahezu jede Handbewegung ist bis ins kleinste Detail vorgegeben. Auch die Arbeit mit Laienschauspielerinnen und -schauspielern mit wenig Theatererfahrung stellte die Jungregisseurin vor einige Herausforderungen, die das Team in den wöchentlichen Proben immer wieder neu anging.

„Ich habe noch nie so viele Entscheidungen getroffen wie in den letzten Wochen“, sagt die Zwölftklässlerin über ihre Arbeit am Stück. „Ich muss immer für neun Leute mitdenken.“

„Agatha Christie würde es ganz cool finden.“

Das Stück selbst, so die angehende Abiturientin, die die Vorbereitungen neben Unterricht, Klausuren, Prüfungsvorbereitung und Freizeit nebenbei stemmt, wird seit über 70 Jahren im Londoner West End aufgeführt und hat noch immer einen hohen Unterhaltungswert. Das Werk von Agatha Christie als „Queen of Crime“ hat bis heute nichts von ihrem Charme verloren. Davon konnte sich Helene vor kurzem selbst überzeugen, als sie „Die Mausefalle“ gemeinsam mit ihrer Familie in der britischen Hauptstadt vor ausverkauftem Haus erlebte.

Auch für eine Schulaufführung, findet Helene, sei das Stück bestens geeignet und das Ambiente der Aula passe ausgesprochen gut dazu. Auf die Frage, was Agatha Christie selbst sagen würde, wenn sie zur Premiere am 2. Oktober im Publikum säße, antwortet Helene selbstsicher: „Sie würde es ganz cool finden“.

„Es wird sicher nicht alles perfekt sein, aber es ist eine Riesenleistung, das Stück auf die Bühne zu bringen.“

Besonders wichtig ist der 18-Jährigen, die Arbeit des gesamten Teams zu würdigen, das seit fast einem Jahr mit den Vorbereitungen beschäftigt ist. Alle haben viel Liebe ins Detail gesteckt und die Proben neben Unterricht und Freizeit mitgestaltet. „Es wird sicher nicht alles perfekt sein, aber es ist eine Riesenleistung, das Stück auf die Bühne zu bringen“, sagt sie zum Abschluss.

Text: Jonny Hielscher, Foto: Helene Schieck

Tickets für beide Vorstellungen gibt es hier: